Was wollen Hochschulen mit xMOOCs?

Die Planung und Umsetzung unseres xMOOCs ist ja „nur“ ein Fallbeispiel für eine größere Aufgabe: Wir wollen das Lehrformat für den Einsatz über das hochschuleigene LMS OPAL und damit für die Hochschullehre bzw. universitären Bildungsangebote erproben.

Sketchnote

Sketchnote vom Konzeptionstreffen des SOOPAL (von Anja)

Eine der wichtigsten Diskussionen drehte sich daher bei einem der letzten Treffen um die Zielstellung, warum xMOOCs für die Hochschullehre eingesetzt werden könnten und welche Vorteile sie bringen. Zwar richtet sich unser MOOC an E-Learning-Akteure eher aus strategischer Sicht, aber letztendlich wird es ja als Hype (auch) für die grundständige Lehre gehandhabt. Und da zählt vor allem eins: Das Format muss sich als effizient erweisen. Der Erstellungsaufwand darf (und wird unweigerlich) zur ersten Durchführung zwar abweichend größer sein, aber die nachfolgenden Durchläufe sollten den Dozenten entlasten. Und vielleicht müssen wir genau hier ansetzen. Es gibt tolle Konzepte, die in einem xMOOC ebenfalls interaktive Live-Events integrieren, aber für einen breiteren Einsatz wird wohl eher nachrangig sein. Zunächst geht es um ein einfaches und wirtschaftliches Grundmuster, das die Offenheit und den Zugang der Hochschullehre erweitert, sie aber für die Lehrenden nicht aufwendiger, idealerweise sogar aufwandsärmer macht!(?) Natürlich ist es dann möglich, die eingesparte Zeit in die Verbesserung des Bildungsangebots zu reinvestieren, bspw. durch eine optimierte Vor-Ort-Veranstaltung oder ergänzenden Live-Angebote (womit man dann schon ganz nah an der Grenze zum Flipped Classroom wäre). Aber diese „Add-Ons“ sind dann schon fast ein Thema für sich.

Das Fragezeichen in Klammern steht da aber bewusst: Uns ist dieser pragmatische Ansatz für ein nachhaltiges Konzept wichtig, aber es hat halt ein wenig einen faden Beigeschmack. Denn damit bewegen wir uns ja ein Stück weit auf den Weg, der im Schussfeld der xMOOC-Kritiker liegt: Betreuung einsparen, schlechte Didaktik, die Lernenden werden sich selbst überlassen. Wollen wir das? Wohl kaum. Ist es als Grundmuster hinsichtlich weniger Lehrpersonal und stärkerer Forschungs-, d.h. Drittmittelfokussierung an den Hochschulen nötig? … [Für eine Beantwortung dieser Frage, wartet das Kommentarfeld :)]

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17 Kommentare

  1. Ein Grundmuster, welches mit den Attributen „Betreuung einsparen, schlechte Didaktik, die Lernenden werden sich selbst überlassen“ umschrieben wird, kann kein zukunftsfähiges Modell für Hochschule sein: Wenn wir von der Makro- (organisationalen) Ebene mal auf die Praxis, also auf die Studierenden schauen und auf die Anforderungen, mit denen sie nach der HochSCHULE (ja, SCHULE nicht HOCH-Forschungseinrichtung oder HOCH-Drittmittelempfänger) konfrontiert sind, dann sehen wir doch ganz klar den Widerspruch. Die Notwendigkeit elaborierter didaktischer Konzepte ist heute (Stichworte: Wissensgesellschaft, digitale Gesellschaft, Kompetenzorientierung, lebenslanges Lernen) größer denn je. Also warum sollen wir genau jetzt die Studies allein lassen, allein mit dem Vorlseungsvideo, allein mit dem Quiz… Ich weiß das SOOPAL was anderes/mehr ist als das. Dennoch wollte ich es für die Diskussion hier einmal zuspitzen!

    1. Das war ja auch durchaus provoziert 😉 Danke dafür.

    2. So, nun nicht mehr nur Kurzantwort vom Handy, sondern etwas tiefer: Du weißt ja, dass ich Dir zustimme ABER leider sieht die politische und damit Förderpraxis anders aus: Projekte werden ausgeschrieben, die gerade im Bereich der Lehre tolle Experimentierfelder bieten (wobei, wenn wir ehrlich sind, die Gesamtfördersummen, Kürzungen und Streichungen dennoch viel Enthusiasmus abverlangen). Aber für die langfristige und nachhaltige Implementierung der neu erprobten Konzepte müssen kreative Wege über Folgeprojekte o. ä. gesucht werden. Während man jährliche Steigerungen von Drittmitteleinnahmen beklatscht spricht keiner von Mehrausgaben für die Lehre im positiven Sinn und/oder ohne Tricksereien, wie bspw. das Ignorieren von inflationsbedingten Investitionssteigerungen.

      Aber das weißt Du ja ohnehin selbst. Und Wir wissen alle, dass es nicht gut ist. Und wir sagen das auch allen in Beiträgen, Keynotes, Vorträgen, Begrüßungsreden und Blogposts. Und dann ist es gesagt und alle klatschen, gehen zurück an ihre Schreibtische und schreiben Anträge…

  2. … Anträge, mit denen dann im Rahmen einer 25%-Stelle die Welt verändert werden soll. Bildungsinnovationen sollen mit 10 Stunden pro Woche gestaltet, erprobt, evaluiert und neugestaltet werden – braucht man länger, hat man offenbar „zu langsam geforscht“. OK, viele denken jetzt sicher: diiiiieeeses Gejammer immer. Stimmt, haben sie auch Recht. Wenn man davon absieht, dass man ca. aller 2 Monate einen neuen Antrag-auf-Arbeitsvertrag ausfüllt, geht es wissenschaftlichen Mitarbeitenden sehr gut. Aber wer sind die Leidtragenden dieser Sparpolitik: die Studierenden. Bildungsinnovationen und neue didaktische Konzepte sind ja kein Selbstzweck, sondern sollen Studierende auf neue Anforderungen der Gesellschaft vorbereiten, individuelle Entwicklungen fördern und institutionellen Fragestellungen gerecht werden. MOOCs im Hochschulkontext können dies leisten? Wir wissen es nicht. Wir müssen diese erst einmal gestalten, durchführen und evaluieren, neugestalten und erneut erproben. Das kostet Geld und verspricht nicht von vornherein erfolgreich zu enden.
    Ein MOOC mit E-Learning-Akteuren und Lehrenden ist sicher ein recht sicherer Raum , in dem man die erste Erprobung machen kann, aber gibt das tatsächlich Aufschluss auf die Passfähigkeit von MOOCs im regulären Hochschulbetrieb? Kaum!
    Wir brauchen also ein Folgeprojekt – finanziert über kreative Wege 😉

  3. Ich stimme allen kritischen Gedanken, die über die Verunmöglichung von Bildungsinnovation durch Stellenstreichung und Mittelkürzung hier geschrieben wurden, voll zu. Es gehört heute sehr sehr viel intrinsische Motivation dazu, sich für eine Laufbahn an einer Universität zu entscheiden.

    Bildungsinnovation braucht aber auch Lehrkräfte, die erkannt haben, dass traditionelle Lehre mit Bulimielernen und schlechter Referatedidaktik nicht (mehr) funktioniert – da muss eine Schmerzgrenze erreicht sein, altes Vorgehen muss weh tun. Dann ändert sich vielleicht auch etwas bei denen, die die wenigen festen Stellen haben und nicht von Projekt zu Projekt hecheln müssen.

    Ein Gedanke zu MOOCs: Viel weiß ich leider noch nicht darüber, ich frage mich allerdings, ob diese Form der Hochschullehre für alle Fächer geeignet ist. Ich zweifle, ob man in geisteswissenschaftlichen Fächern, in denen es auf Gedankenaustausch, Kommunikation, Reflexion und Interpretation (usw. …) ankommt, mit einem MOOC tatsächlich sinnvoll arbeiten kann. Kurze Erklärungen, Übungen, Quizzes – das mag in einem übungsintensiven Fach, bei dem man eine richtige Lösung abfragen kann, funktionieren. Erinnert mich auch sehr an Behaviorismus … Wenn es darum geht, zum Beispiel kulturelles Hintergrundwissen zu einem Text zu diskutieren oder auch nur einen Aufsatz aus einer Fachzeitschrift auszuwerten, sehe ich (mit meinen sicher begrenzten Vorstellungen von dieser Lehrform) die Grenzen von MOOCs.

    Ich war hoffentlich nicht zu sehr off topic.

    1. Für die diskursiven Fächer (nicht nur) in den Geisteswissenschaften sind cMOOCs wohl geeigneter, siehe http://sooc13.de bzw. http://sooc1314.de. Ich sehe aber auch Potential in den xMOOCs ähnlich wie beim Flipped Classroom: der Lehrende spart sich die vielzigste Erklärung bspw. von philosophischen Ansätzen (oder was ihr Geisteswissenschaftler so macht :P), das machen Videos und kurze Fragen. Dann hat man aber in den Präsenzsitzungen (oder digitalen synchronen Formaten) mehr und/oder intensivere Zeit zur aktiven Auseinandersetzung.

      Mir stellt sich immer noch die Frage: SOOPAL erst einmal mit „Basics“ umsetzen…? Zumindest entspräche das den… Förderbedingungen. Und es wäre eben auch ein pragmatischer Ansatz, den Lehrende zum Einstieg gehen könnten, von daher auch nicht uninteressant…

  4. Mit Basics meinst Du das, was da ist? Also Content, der CC-lizenziert verfügbar ist? Damit würde ich Deine Frage interpretieren: Sollen Dozierende bestehende Vorlesungsaufzeichungen (90 min!!!) nutzen und einfach einen MC-Test hinterherschieben? (gruselige Vorstellung, passt zu Halloween heute)
    Nein, dann sind wir wieder genauso beim Teaching-To-The-Test und nicht bei der kompetenzorientierten Lehre – und wenn es noch so billig ist…
    Ich denke, wir/Ihr (ich weiß nicht genau, wie meine Rolle in SOOPAL ist) beschreiten hier einen Weg der irgendwo zwischen Idealismus und Pragmatismus liegt. Pragmatismus ist hier aber – meiner Meinung nach – fehl am Platze!
    Nur weil es schwierig ist, sollte man nicht vor dem Versuch zurückschrecken (sagt eine, die gerade das E-Portfolio-Werkzeug von OPAL Dozierenden und Studierenden schmackhaft macht!): Ziel ist es, den Lehrenden (und zwar genau den Referatedidaktikern) zu verdeutlichen, dass didaktische Konzepte für gute Lehre an erster Stelle stehen und das dafür Einsatz notwendig ist – der sich vielleicht erst langfristig auszahlt. Auszahlt in selbstorganisierten Lernern, kompetenten Studierenden und persönlichem Engagement von jungen Leuten. Und dafür können 90 min-Vorlesungsaufzeichnungen und (ausschließlich) ONYX-Tests kein Vorbild sein!

    1. KEINE Aufzeichnungen von 90′-Vorlesungen, aber vielleicht sowas: https://bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/3635314688/CourseNode/86013483919109 – Vom Dozenten selbsterstelltes Material, das zu seinen Inhalten passt und das vielleicht durch ein ePortfolio oder ähnliches begleitet werden könnte, mit dessen Hilfe Reflexion und Diskussion der Fragen/Aufgaben in einem Diskurs möglich wäre. Für einen OPEN Online Kurs wäre dann die Frage, wie der Betreuungsaufwand durch den Dozenten in SWS abgerechnet werden könnte …

      1. Ja, genau so etwas meine ich, das ist toll. Wie betreut Ihr das im Semesterverlauf (Personaleinsatz)?

    2. Nee, 90min-Videos will keiner 😉 Auch wenn wir auf vorhandene Contents aufbauen wollen, ist deren sorgfältige Auswahl und vor allem die Auswahl von Ausschnitten (bei Videos) wichtig und nötig (auch wenn wir genau genommen diesen Teil rauskürzen mussten, aber 30-Minuten-Videos und länger gehen einfach nicht).

      Aber die Bereitstellung der Contents als E-Learning-Kurs (noch nicht einmal MOOC) muss den Lehrenden Vorteile bringen. Bei xMOOCs sehe ich vor allem Entlastungen mit „Standard-Contents“. Christian Spannagel hat sich auch mit dem Ausspruch, dass er die Grundlagenvorlesung „nie wieder“ halten muss, Kritik eingehandelt http://cspannagel.wordpress.com/2012/08/08/aepfel-mit-birnen/ aber letztendlich geht es erst einmal darum.

      Das ist wie bei Vorlesungen: in der „Basic“-Variante steht jemand vorn und liest – vielleicht sogar aus einem Buch. Oder heute eben von PPT-Folien. Und dann kommen die Add-Ons, die das ganze spannend und didaktische gut machen, was aber nur auf guten Contents basieren kann.

      Ich weiß noch nicht, inwieweit wir diese Add-Ons mit SOOPAL erproben können, in Ansätzen wird das sicher an der ein oder anderen Stelle realisiert werden. Wichtig ist aber auch, sie als Add-Ons zu erkennen, um sie genau dann als „so können Sie ihren MOOC besser machen“ weitergeben zu können.

      1. Zu der Frage „Wie betreut Ihr das im Semesterverlauf (Personaleinsatz)“: Das ist ein Versuch von mir, den ich den Studierenden in ein paar meiner Seminare als Ergänzungsmaterial zum Selbststudium anbiete. Ist gewissermaßen mein eigenes Projekt, das einer Semesterpause entstanden ist, als eine Art „Open Educational Ressource“ … Als eigenen Online-Kurs mit Betreuung habe ich es noch nicht eingesetzt, das wäre aber einen Versuch wert. Eine Betreuung könnte dann nur durch mich stattfinden im Rahmen meines Stundendeputats – das wäre dann ein Seminar mit 2 SWS – andere Mittel haben wir nicht und um irgendwelche Projektmittel zu beantragen, fehlt mir die Zeit. Natürlich wäre ein Betreuungsaufwand in einem solchen Onlne-Seminar höher als 2 SWS …

  5. Als weiterer Denkimpuls lade ich mal Fragen von Hochschullehrenden ab, die im Vorfeld zu einer MOOC-Infoveranstaltung gestellt wurden. Das geht ihnen durch den Kopf. Das interessiert sie.

    – Technische Voraussetzungen zur Vorlesungsaufzeichnung?
    – Abstimmung Schnittstellen (Erstellung, Speicherung und Publikation der Inhalte)
    – Bericht über Erfahrungen
    – Wir vom „censored“ sind im Wesentlichen an der Schaffung der technischen Voraussetzungen zur Vorlesungsaufzeichnung interessiert. Auch gilt es die Schnittstellen zwischen Erstellung, Speicherung und Publikation der Inhalte abzustimmen.
    – Welche „sparsamen“ Möglichkeiten der technischen Umsetzung gibt es ?
    – Bereitstellung/Nutzung von Lehrvideos bzw. Lehrvideo-Einheiten =OOCs?
    – MOOCs und Business – steht hinter MOOCs in den USA ein Geschäftsmodell oder steckt soviel Geld im System der Top-Unis, dass diese MOOCs entsprechend pushen können? Marketing?
    – Gibt es den „German way of MOOCs“? Sollte es ihn geben?
    – MOOCs und Moodle?
    – MOOCs und Lehr-/Lernmethoden, zB Flipped Classroom. Welche Mthoden sind noch interessant?
    – Kosten pro Minute Lehrvideo? Mindest Qualität?
    – Vorschläge zum schrittweisen Aufbau von MOOCs
    – Beispiele zur Kombination von Video, Animationen und anderen Hilfsmitteln
    – häufige Fehler und deren Vermeidung

    Didaktische Fragen sehe ich da deutlich unterrepräsentiert.

  6. Hallo Oliver,
    ich habe die Stichpunkte durchgelesen und dachte: Das interessiert die Lehrenden? Vorrangig sind das Fragen zum Thema Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit, die Mehrwerte für den einzelnen Studierenden (oder ob es die überhaupt gibt) sind offenbar nicht so interessant – oder hier nur unterrepräsentiert, weil man den Kontext der Infoveranstaltung nicht kennt.
    Habt Ihr schon Erfahrungen mit HS-Lehrenden als MOOC-Aktueren? Wie ist die Resonanz? Was sagen Lehrende zum Aufwand bei der Erstellung von Videos?
    Viele Grüße,

    Andrea

    1. Überrascht Dich das? „Kann ich nicht machen, dafür müsste ich den Beamer mitnehmen, der ist aber immer so schwer…“ Deswegen bin ich heute in Berlin, weil hier die anderen Bildungshippies sind 😀

      1. Nein, es überrascht mich nicht wirklich (ich weiß ja dass die Welt von Grund auf schlecht ist [off-topic: vor allem seit böse Menschen mein Fahrrad geklaut haben]), aber ich finde es bezeichnend, dass (so mein Eindruck) die Dozierenden, die immer schimpfen, dass Studierende faul und nur auf Credit-Hascherei aus sind, diejenigen sind, die am lautesten vor Mehrarbeit zurückschrecken. Aber ich glaube, das ist hier gar nicht so Thema…

    2. Das waren die Fragen, die im Vorfeld an Jörn Loviscach gerichtet wurden, der heute als Gast für „MOOCs – von der Idee bis zur Umsetzung“ in Braunschweig war.

      Das Thema MOOCs (und damit sind xMOOCs gemeint) wird hier aus politischen Gründen top-down gepushed, allerdings habe ich meine Beteiligung abgelehnt und nicht mitgespielt. Hatte also damit nichts zu tun und kann deine Fragen leider nicht beantworten.

  7. […] der aktuelle Ausgabe des Check.point-elearning gibt es einen interessanten Kurzbericht zu einem Verbundprojekt der sächsischen Hochschulen zum Thema der […]

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